Willkommen im Religionsphilosophischen Salon!
Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ ist ein Ort des Gesprächs, der Kontroverse, der Kritik. Immer steht das Philosophieren, also der lebendige Vollzug des Selber – Denkens, im Mittelpunkt. Dabei verdient jedes Thema eine philosophische Besinnung. Insofern ist Philosophieren universal. Fragen der Religionen, der Transzendenz und der Immanenz, also grundlegende Fragen der Menschen nach ihrem Menschsein, gehören zur Philosophie. Sie öffnet sich heute für die Kulturen der Welt, kann nicht länger “europäisch” bleiben.
Dabei ist Religion im authentischen Sinne stets der Daseins – Vollzug, der das gründende Geheimnis berührt. Geheimnis ist etwas Undefinierbares, nicht in Dogmen Festzulegendes. Jeder Mensch hat seinen eigenen Zugang dazu; da darf keine Autorität herrschend eingreifen. Dieses bergende und stets auch irritierend – fremde Lebens – Geheimnis nennen viele Gott/Göttliches. Im Licht Gottes weitet sich die Welt; sie selbst wird zum Ort, der niemals restlos beherrschbar, durchschaubar ist. Diesem Lebensgeheimnis nähern sich viele Menschen mit Stimmungen, Gefühlen. Wir meinen aber, in allen diesen Annäherungen an das Göttliches darf niemals die begleitende kritische Vernunft fehlen. Vernunft ist “klassisch philosophisch” stets als Freiheit konzipiert und als Kommunikation Gleichberechtigter.
Auf dieser website finden Sie Texte, die sich auf dem naturgemäß „weiten“ Umfeld des Religiösen / der Religionen bewegen. Unsere Position ist philosophisch, also konfessionell – unabhängig. Das ist die unaufgebbare Basis philosophischer Kritik.
Der nächste Salon findet am Freitag, 25, Mai, 2012, um 19 Uhr, im Café antikflair, statt, Grunewaldstr. 10 in Berlin – Schöneberg. Wir bitten um Anmeldung, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist.Teilnahmegebühr, soweit es möglich ist, 5 Euro. Philosophie ist manchmal auch kostenlos, aber nie “umsonst”.
Das Thema: Der heilige Geist ist skeptisch: Ein philosophischer Salon zum Pfingstfest. Mit einem einleitendem (skeptisch- frommen) Statement von Christian Modehn.
Am letzten Salon am 20.4. beteiligten sich 18 Personen. Das Thema war: “Die Liebe zum Leben und die Kulte des Todes“. Perspektivem des Psychologen und Philosophen Erich Fromm. Ein Salon Abend mit einem einleitenden Vortrag von Hartmut Wiebus (Dipl. päd.).
Rainer Funk, Theologe und Psychologe, Herausgeber des Gesamtwerkes von Erich Fromm und einer der besten Kenner seines Werkes, hat schon in den 1980 Jahren darauf hingewiesen, dass es auch Religionen und Spiritualitäten geben kann und gibt, die in sich von der Haben – Struktur und damit im Extremen auch von nekrophilen Strukturen geprägt sind. Das beschrieb Prof. Rainer Funk in seiner Studie “Frömmigkeit zwischen Haben und Sein”. Diese Liebe zum Festhalten und Haben und Verehren des Vergangenen (im Sinne des Toten) im Religiösen ist eine Abwehr aller Veränderung und damit allen Lebens. Dies macht Rainer Funk auch, aber nicht nur in den Kreisen der PIUS Brüder sichtbar. Nun steht die Versöhnung der römischen Kirche mit den Piusbrüdern offenbar bevor (dies wird am 18.4.2012 geschrieben). Wir haben schon im Februar 2011 einen Beitrag in diese website gestellt: Papst Benedikt/Joseph Ratzinger ist nicht nur theologisch rechtslastig. Darin dokumentieren wir die außergewöhnliche Jahrzehnte währende Sympathie Ratzingers für die Kreise rund um Alterzbischof Lefèbvre und die Piusbrüder. Der Beitrag aus dem empfehlenswerten Buch “Rolle rückwärts mit Benedikt”, erschienen bei PUBLIK FORUM, ist von Christian Modehn. copyright: christian modehn.
Interessant ist es, eine gewisse Gleichzeitigkeit festzustellen: Da werden einerseits die reaktionären Piusbrüder umworben (und wohl wieder “integriert”). Da werden andererseits spanische progressive Theologen, die ein lebendiges (!) religiöses Bewußtsein inspirieren, bestraft. Und – früher schon – Mafia – Gangster, Vertreter des Totens und des Tötens, mit einem eigenen Grab in einer römischen Basilika geehrt: Wer sich angesichts der jüngsten Diskussionen über das Begräbnis eines Gangsterbosses in einer päpstlichen Basilika in Rom interessiert (die Presse berichtet ausführlich darüber seit Mitte April 2012), dem empfehlen wir das Buch von Corrado Augias, Die Geheimnisse des Vatikan. Erschienen im C.H. Beck Verlag und im Religionsphilosophischen Salon schon 2011 besprochen.
Ein Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe in dem erst kürzlich eröffneten Kulturzentrum “Mainzer7″ in Neukölln, der Inititator ist der Soziologe und Schriftsteller Thomas Maurenbrecher. Er startet eine Seminarreihe zum Thema Fühlen und Erkennen. Wir weisen gern empfehelnd darauf hin. Das Kulturzentrum Mainzer 7 ist ein weiteres Beispiel für eine private Initiative, Kultur, Kunst, Philosophie ins Gespräch zu bringen, ohne dabei auf Sponsoren zu warten. Einfach um des Dialogs und des Respekts unterschiedlicher Menschen aus unterschiedlichen Kulturen willen. Dieser Form der “Kultur von unten” weiß sich auch der (private) Religionsphilosophische Salon verpflichtet.
In den meisten Fällen ist Christian Modehn (geb. am 29.7. 1948 in Berlin) Autor der Texte dieser website. Zu allen Texten: “copyright”.
Ich habe Philosophie (M.A. über Hegel) und katholische Theologie (Staatsexamen über Heidegger) in Berlin, St. Augustin, Bonn und München studiert. Ich arbeite seit vielen Jahren als freier Journalist über die Themen Religionen, Kirchen und Philosophien, vor allem für die Fernseh- und Radiosender der ARD und die Zeitschrift PUBLIK – FORUM.
Vor 5 Jahren habe ich den Religionsphilosophischen Salon Berlin als offenen Gesprächskreis gegründet, seitdem fanden bis Januar 2012 insgesamt 51 „Salonabende“ statt.
Wir beziehen uns auf eine Tradition: Ein Salon war im 18. Jahrhundert vor allem in Frankreich ein Ort, in dem eine neue, eine gerechtere „Welt“ besprochen wurde. Ohne diese gedankliche Vorwegnahme einer anderen Lebensmöglichkeit hätte es keine politischen und religiösen Veränderungen gegeben. In dieser Tradition weiterzudenken ist für uns wichtig; man kann den Salon auch eine philosophische „Basis – Initiative“ nennen. Da jeder Mensch mit Vernunft ausgestattet ist, sind wir der Überzeugung: Von daher ist jeder Mensch in der Lage, auf seine eigene Weise zu philosophieren. Alle anspruchsvolle Philosophie hat ihre Basis im Philosophieren des einzelnen und der Gruppe…
Wir wollen die „Salon – Tradition“ neu beleben, d.h. ein offenes Forum bieten, zu dem alle eingeladen sind, die sich für philosophischen Frage interessieren, vor allem für solche, die möglicherweise bezogen sind auf Fragen, die sich aus der Analyse des Daseins ergeben, also Fragen nach Transzendenz und Göttlichem, nach Gründendem und Sinnvollem.
Dabei ist klar, dass Spuren von Transzendenz in allen Bereichen kulturellen Lebens möglicherweise entdeckt werden können. Religion ist nicht nur da, wo Religion oder „Anti – Religion“ „draufsteht“.
Dabei ist eindeutig, dass bestehende Religionen kritisch befragt werden müssen. Maßstab ist eine selbstkritische Vernunft, die auf fragwürdige bzw. vernünftig nicht akzeptable Aspekte der Religionen aufmerksam macht, wenn sie etwa der Vorstellung der Universalen Menschenrechte nicht entsprechen.
Ein weiteres Thema wäre: Wie müde, wie erstarrt oder wie lebendig und vital sind (noch) die etablierten Religionen? Zeigt der Auszug aus den Kirchen z.B. in Europa nicht auch und vor allem, dass die “Kirchenlehren”, so, wie sie offiziell vorgetragen werden, bei nachdenklichen Menschen nicht mehr überzeugen.
Und diese Frage kann heute nicht mehr auf den europäischen Raum begrenzt bleiben. Religionsphilosophie muss interkulturelle Philosophie werden. Auch daran arbeitet der “religionsphilosophische Salon”. Und es ist ein Projekt, mit entsprechenden “Salons” oder philosophischen Basisinitiativen in Afrika oder Lateinamerika z.B. in Verbindung zu kommen.
Unser Vorschlag für einen lebendigen religionsphilosophischen Salon:
Gemeinsam Texte kritisch lesen, die eine religionsphilosophische Haltung ausdrücken. Eigene Texte schreiben, in denen die eigene, persönliche Erkenntnis zum Ausdruck kommt. Miteinander im Gespräch bleiben, in dem als einzige Autorität die Kraft der Vernunft anerkannt wird.
So kann es vielleicht gelingen, dass Religionsphilosophie eine kritische Lebenshaltung fördert, die vor Dogmatismus und Fundamentalismus bewahrt. Das ist ein ganz praktisches Ziel philosophischer Arbeit.
Authentisches Leben ist philosophisches Leben. Ist das ein Traum? Religionsphilosophie bemüht sich, im Anschluss an die klassische griechische Philosophie (siehe etwa die wichtigen Werke von Pierre Hadot) auch um Formen der persönlichen oder gemeinschaftlichen “Sammlung”, der Meditation, der Stille, des persönlichen poetisch – philosophischen Ausdrucks. Es sollte möglich sein, Religionsphilosophie als „meine persönliche Religionsphilosophie“ zu leben, zumal angesichts der Krisen alter Konfessionen, Religionsphilosophie als eine Art Lebenshaltung zu konzipieren, auch für spirituell Interessierte. Umso dringender braucht man Gemeinschaften des kritischen Gesprächs, Gemeinschaften, die sich nicht von der Allmacht der Medien irritieren lassen und der Drohgebärde alter Religionen, die ihren Exklusiv – Anspruch geltend machen wollen. Dagegen gilt es, sich philosophisch zu wehren.
Philosophische Gespräche im Salon können zudem eine Hilfe sein, den herrschenden Individualismus ein wenig „zu korrigieren“.
Unser Interesse gilt auch der interkulturellen Philosophie vor allem in Lateinamerika. Deswegen beobachten wir, wie es gelingt, die lange Zeit der Diktatur in diesen Ländern aufzuarbeiten. Als ein Beispiel weisen wir auf das neue Widerstandsmuseum in der Dominikanischen Republik hin: Es wurde am 30. Mai 2011, in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, Santo Domingo, eröffnet, es erinnert an die Tyrannei unter dem Diktator Trujillo (am 31. Mai 1961 ermordet). Lateinamerikanische Staaten tun sich schwer, ihre eigene dunkle und blutige Vergangenheit zu bearbeiten, das neue Museum in Santo Domingo ist ein wichtiger Schritt zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit: www.museodelaresistencia.org
Wir fragen uns, wann es gelingt, Partnerschaften und regelmäßigen Austausch zwischen ähnlichen Museen und Gedenkstätten in Deutschland mit dem “museo de la resistencia” einzurichten, also etwa mit Gedenkstätten der Stasi – Verbrechen oder der Nazi – Diktatur.
